Porroprisma oder Dachkantprisma: Fernglastypen im Vergleich

Beim Vergleich von Ferngläsern fällt schnell auf, dass sie sich rein äußerlich in zwei große Gruppen unterteilen lassen. Die einen sind tendenziell etwas kürzer und breiter gebaut, und die Okulare stehen bei ihnen deutlich enger beieinander als die Objektive. Die anderen dagegen wirken länger und schlanker. Okular und Objektiv liegen bei diesen Modellen jeweils in derselben Achse. Die markanten äußerlichen Unterschiede zwischen beiden Gruppen sind durch zwei verschiedene Typen beziehungsweise Bauweisen von Ferngläsern bedingt: Porroprismenferngläser und Dachkantprismenferngläser. Sich beim Kauf für einen dieser beiden Typen zu entscheiden, ist nicht leicht, denn beide haben ihre spezifischen Vor-und Nachteile.

Ferngläser in Porroprismen-Bauweise: bewährtes Konzept und plastische Bilder

Porroprismen sind nach ihrem Erfinder, dem italienischen Ingenieur Ignazio Porro (1801-1875) benannt. Dieser absolvierte zunächst eine militärische Karriere, bevor er 1842 ins Zivilleben wechselte und eine Werkstatt in Turin eröffnete. Fünf Jahre später zog er nach Paris, wo er das "Institut technomatique" gründete. 1854 ließ sich Porro seine bekannteste Erfindung patentieren, die noch heute in Gestalt der Porro-Prismen in Ferngläsern zum Einsatz kommt. Wenngleich Porro aus seiner Erfindung zu Lebzeiten keinen größeren wirtschaftlichen Nutzen ziehen konnte, werden seine Leistungen heute angemessen gewürdigt. Schon als Ernst Abbe im Jahr 1893 ein eigenes optisches Umkehrsystem zum Patent anmelden wollte, musste er feststellen, dass der ihm bis dahin völlig unbekannte Porro ihm damit nicht nur wenige Monate oder Jahre, sondern sogar mehrere Jahrzehnte zuvorgekommen war. Heute erinnert neben den Porroprismen auch das als "Porro Bluff" bezeichnete Felsenkliff im Norden der Antarktischen Halbinsel an den genialen Erfinder. Das UK Antarctic Place-Names Committee hatte es im September 1960 nach ihm benannt. In Porroprismen-Ferngläsern finden jeweils zwei Prismensegmente Verwendung. Diese richten das Bild über eine Totalreflektion auf und lenken je Prismensegment um 180 Grad um. Der in einem bestimmten Winkel einfallende Lichtstrahl wird an den Grenzflächen der Porroprismen nicht gebrochen, sondern vielmehr reflektiert. Porroprismen-Ferngläser sind meist etwas breiter, haben durch den größeren Abstand zwischen den Objektiven aber den Vorteil, dass sie das plastisch-räumliche Sehen unterstützen. Zudem sind Porroprismengläser oft etwas preisgünstiger als Dachkantprismengläser mit vergleichbaren Eigenschaften.

Dachkantprismen-Ferngläser: schlank und kompakt gebaut

Dachkantprismengläser haben ihren Namen nach den verwendeten Prismen erhalten, deren Form an ein Hausdach erinnert. Das Licht wird darin durch Verspiegelungen weitergeleitet, wozu jeweils mindestens eine Fläche mit einer dielektrischen beziehungsweise Silber-Schicht versehen wird. Es ist vergleichsweise aufwendig, ein Dachkantsystem mit möglichst geringem Lichtverlust zu produzieren, das gute und kontrastreiche Bilder liefert. Das erklärt auch die höheren Preise für hochwertige und leistungsstarke Dachkantprismen-Ferngläser. Den höheren Preisen steht der Vorteil der kompakteren Bauweise gegenüber. So lassen sich kleine Dachkantgläser problemlos in einer Jackentasche verstauen, und große Exemplare wirken schlanker, eleganter und weniger wuchtig als ein Porroprismen-Fernglas mit vergleichbarer Spezifikation. Vorsicht ist geboten, wenn in Dachkantbauweise hergestellte Ferngläser zu sehr günstigen Preisen, beispielsweise im unteren zweistelligen Bereich, angeboten werden. Denn der günstige Preis dürfte in diesen Fällen durch erhebliche Kompromisse bei der optischen Leistungsfähigkeit oder bei der Material- und Fertigungsqualität erkauft worden sein. Oftmals lassen in dieser Preiskategorie auch beide Bereiche deutlich zu wünschen übrig. Bei hochwertigen Produkten dagegen können sich deren Nutzer in der Regel auf eine entsprechende Qualität verlassen, – und zwar weitgehend unabhängig von der gewählten Bauweise.

Verschiedene Bauarten: Dachkantprismen oder Porroprismen

Sowohl Ferngläser als auch Beobachtungsfernrohre (sogenannte Spektive) verfügen über aufwendige Bildumkehrsysteme, die ein naturgetreues und seitenrichtiges Bild ergeben. Diese beiden Systeme sind das schon ältere Porroprismen-System und das neuere Dachkantprismen-System.

Porro-Prismen-System

Das klassische Porro-Prismen-System läßt die einfallenden Lichtwellen unverändert, wodurch im Vergleich zum Dachkant-Prismen-System im Allgemeinen eine leicht bessere Bildqualität erzielt werden kann und die Linsen und Prismen nicht ganz so aufwendig nachbearbeitet werden müssen. Ein weiterer Vorteil der Porro-Variante ist ihre griffsichere Bauweise und der größere Objektivabstand - dadurch wird das räumliche Sehen noch plastischer.

Dachkant-Prismen-System

Bei Ferngläsern mit dem neuartigen Dachkant-Prismen-System wird durch den Einsatz von exakt geschliffenen, übereinander angeordneten Prismen ein fast linearer Strahlengang des Lichts möglich, deshalb sind diese Gläser besonders schlank und handlich. Ein weiterer Vorteil ist, dass die meisten Dachkant-Gläser eine echte Innenfokussierung besitzen, d.h. die Scharfeinstellung erfolgt über Schneckengänge, die nur Linsen im Inneren des Fernglases verschieben. Außen am Glas befinden sich keine beweglichen Teile, daher ist die Mechanik nahezu perfekt geschützt, es kann weder Schmutz noch Luftfeuchtigkeit eindringen. Auf diese Weise kann problemlos und preiswert eine echte Wasserdichtigkeit des Fernglases erreicht werden.